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Damit die Vampire in DRACULA auch kräftig zubeißen können

Sie gehören zum Vampir wie der rote Samtvorhang zum Theater: Spitze Eckzähne, die sich tief in den Hals ihres Opfers schlagen können, um danach ihr Blut zu trinken. Am Theater für Niedersachsen verwandeln sich ab dem 12. Dezember 2015 sieben Darstellerinnen und Darsteller aus der MusicalCompany und dem Opernchor in Vampire. Der Grund: Frank Wildhorns Erfolgsmusical DRACULA. Aber vor das Zubeißen, hat die Maskenabteilung des Theaters das Anpassen und Modellieren des perfekten Vampirgebisses für Alexander Prosek (Graf Dracula), Sandra Pangl (Lucy Westenra) und Judith Bloch, Teresa Scherhag, Agnes Buliga-Contras, Anne Lütje und Kathelijne Wagner (Vampirinnen) gesetzt.

 

Für das Grusical DRACULA von Frank Wildhorn passt die Maskenabteilung des TfN jedem Darsteller, der auf der Bühne als Vampir zu erleben sein wird, individuelle Vampirzähne an. „Mit den Gebissen, die man von Halloween oder von Karneval kennt, kann man auf der Bühne nichts anfangen“, stellt Chefmaskenbilderin Carmen Bartsch-Klute entschieden fest, „erstens kann man mit denen weder singen noch sprechen und zweitens sehen die absolut unecht aus.“ Zahnprothesen zu modellieren, gehört eigentlich nicht zu den Standardaufgaben einer Maskenbildnerin, aber als vor einigen Jahren das Kinderstück „Der kleine Vampir“ auf dem Spielplan stand, hat Carmen Bartsch-Klute ihre 16 Mitarbeiterinnen fortbilden lassen, sodass nun alle Experten für das Anfertigen „falscher“ Zähne sind.

„Einmal zurücklehnen und es sich bequem machen“, mit diesen Worten begrüßt Maskenbildnerin Birgit Heinzmann Kathelijne Wagner. Allerdings ist „bequem machen“ für Birgit Heinzmann leichter gesagt, als für Kathelijne Wagner getan. Denn die sympathische Niederländerin aus dem Opernchor des TfN muss heute einen Abdruck ihres Oberkiefers machen lassen, der dann die Basis für ihre Vampirzähne sein wird, die sie als Vampirin im Musical DRACULA die ganze Vorstellung über tragen wird.

In einem leeren Becher hat Birgit Heinzmann rosafarbene Alginatmasse angerührt. Diese Masse ist die Grundlage für den Gebissabdruck, der jetzt gleich von Kathelijne Wagner genommen wird. Die fertig angerührte Alginatmasse wird im nächsten Schritt in eine passende Mundschiene gefüllt, die Kathelijne Wagner an den Gaumen gedrückt wird und auf die sie beißen muss. Im Gesicht der Chorsängerin zeichnet sich wenig Begeisterung ab. Birgit Heinzmann lächelt: „Wer schon einmal beim Zahnarzt oder Kieferorthopäden war, weiß, wie unangenehm das sein kann.“

Nach wenigen Minuten ist die Alginatmasse getrocknet und Kathelijne Wagner kann – sichtlich erleichtert – die Schiene wieder aus dem Mund nehmen. Damit ist die Darstellerin fertig und wird erst einige Tage später zur Anprobe der Zähne von Birgit Heinzmann wieder erwartet. Für die Maskenbildnerin beginnt allerdings jetzt erst die Arbeit: Der entstandene Kieferabdruck wird mit Plastilin umhüllt und dann mit Gips ausgegossen. An diesem entstandenen Gips-Positiv werden die Vampirzähne mit Hilfe einer Wachsmasse modelliert. Damit die Eckzähne in den DRACULA Vorstellungen und Proben besser halten und für die Darstellerinnen und Darsteller komfortabler zu tragen sind, erstreckt sich die Schiene nicht nur über den Eckzahn, sondern auch über die anliegenden Backenzähne. 

Sind all diese Arbeitsschritte fertig, geht es weiter: Um Gips-Positiv, Kunststoffzahn und Wachsmasse kommt erneut eine Kugel aus Knetsilikon, die das gesamte Gebilde ummantelt. In den Mantel aus Knetsilikon wird durch zwei kleine Löcher Kunstharz eingespritzt und ein weiterer Abdruck entsteht. „Das chemische Kunstharz muss nach dem Aushärten immer wieder gewässert werden“, erklärt Birgit Heinzmann, „solange bis alle chemischen Stoffe ausgeschwemmt sind und das Wasser nicht mehr nach Chemie riecht.“ Mit einem Dremel wird die nun ausgehärtete, saubere und chemiefreie Kunstharzschiene so lange bearbeitet, bis sie für den Darsteller, der sie später tragen wird, passgenau sitzt und einfach zu handhaben ist. „Jetzt muss ich die Schiene nur noch bemalen“, sagt Birgit Heinzmann, „und dann ist sie wirklich fertig.“ 

„Für jeden Vampir-Darsteller fertigen wir zwei Sätze Zähne an, damit wir sofort Ersatzzähne haben, sollte bei einer Vorstellung mal etwas zerbrechen oder ähnliches“, erklärt Maskenchefin Carmen Bartsch-Klute, die stolz darauf ist, dass solche Aufgaben, wie das aufwendige Herstellen von Gebissen, von ihrer Abteilung selbst übernommen werden können. „Es gibt Theater, da werden diese Anfertigungen als Auftrag nach draußen vergeben“, erläutert sie. Die Sängerinnen und Sänger werden ihre „neuen“ Zähne während der kompletten Vorstellung im Mund behalten. Deshalb müssen sie festsitzen und dürfen nicht beim Spielen, Sprechen und Singen stören.

(An)gebissen? Wenn Sie die Vampirzähne mit den dazugehörigen Vampiren live auf der Bühne sehen wollen, ab dem 12. Dezember 2015 haben Sie im Musical DRACULA am TfN die Möglichkeit dazu.