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Triumph in Rom

Zur Uraufführung von Donizettis ADELIA

Über zwanzig Jahre ist der italienische Komponisten Gaetano Donizetti erfolgreich, als er 1840 seiner Hauptwirkungsstätte Neapel den Rücken kehrt und nach Paris geht. Mehr als 50 Opern hat Donizetti bis dahin komponiert, darunter auch die bis heute ewigen Meisterwerke „Lucia di Lammermoor“ und „L’Elisir d’amore“. Dass sein neustes Werk „Poliuto“ von der Zensur in Neapel abgelehnt wird, bekräftigt dabei seinen Entschluss, dem Angebot der Opéra de Paris zu folgen. Donizetti, obwohl erst 41 Jahre alt, ist zu diesem Zeitpunkt schon stark ergraut und leidet möglicherweise unter Depressionen. Dass er die letzten Jahre fast ständig durchgearbeitet hat und ein Rhythmus von vier neuen Opern pro Jahr die Regel ist, hat daran sicherlich seinen Anteil.


Doch Donizettis Schaffenskraft tut dies keinen Abbruch: In Paris entsteht neben seiner nun umgearbeiteten Oper „Poliuto“ (nun unter dem Titel „Les Martyrs“) u. a. mit „La Fille du régiment“ ein großer Erfolg an der Opéra Comique. Im Juni 1840 erhält Donizetti während seines Aufenthalts in Frankreich das Angebot, für den kommenden Karneval eine Oper für das Teatro Apollo in Rom zu komponieren. Seine Wahl fällt auf das Libretto „La figlia dell’arciere“ von Felice Romani, welches sieben Jahre zuvor von Carlo Coccia vertont worden war und bei Donizetti nun den Titel ADELIA tragen soll. Allerdings stößt der Inhalt mit seinen sexuellen Anspielungen, sowie dem ursprünglichen tragischen Ende auf Widerstand bei der römischen Zensur. Allein das Gerücht einer vorehelichen Vereinigung und der damit verbundenen verletzten Familienehre reicht der römischen Obrigkeit offenbar für eine Ablehnung. Ganz anders zur selben Zeit in Frankreich, wo man mit „La Favorite“, die immerhin die Mätresse Léonor de Guzman als historische Titelfigur hat, kein Problem hat. Es scheint heute so, als ob Donizetti durch die nachträgliche Einfügung eines Happy Ends (anstatt dem ursprünglichen Selbstmord Adelias) die Zensur befriedet und so das Werk umsetzen kann. Nach der Uraufführung von „La Favorite“ in Paris reist Donizetti nach Rom und beginnt kurz vor Jahresende mit den musikalischen Proben zu ADELIA - nun mit Happy-End. Im Laufe des Januars wächst das gespannte Interesse an der neuen Oper immer weiter. Auf Grund der großen Nachfrage muss sich Donizetti seine Premieren-Karte zum dreifachen Preis auf dem Schwarzmarkt kaufen. Am 11. Februar 1841 findet die Uraufführung von Donizettis ADELIA im Teatro Apollo statt. Nun stellt sich heraus, dass nicht nur die Nachfrage nach Karten riesig war, sondern dass zu allem Übel auch mehr Karten ausgegeben wurden, als das Teatro Apollo Plätze hat. Als Sopranistin für die Titelpartie wurde Giuseppina Strepponi, später auch bekannt als zweite Ehefrau von Giuseppe Verdi, verpflichtet. Auch wenn sich Donizetti und sie bis zur Arbeit an ADELIA nie begegnet waren, hatte sie in den Jahren zuvor bereits die Hauptrollen in dreizehn weiteren Donizetti-Opern gesungen und war mit seiner Musik daher sehr vertraut. Strepponi und das Orchester können gegen die lautstarken Menschenmassen vor den Türen (die nach Einlass verlangen) und im Saal (die nach Ruhe rufen) nicht ankommen. Irgendwie bringen sie den Abend über die Runden, wenn auch bei Publikum und Mitwirkenden keine richtige Euphorie aufkommen mag.

Die Kritiken am nächsten Tag sind verhalten und der Theaterdirektor Vincenzo Iaccovacci wird auf Grund des Kartenskandals, obwohl daran unschuldig, festgenommen. Doch nach dem ersten Schock entwickelt sich ADELIA in den sechs folgenden Aufführungen zu einem veritablen Erfolg und die „märchenhafte Schönheit der Musik“ spricht sich in der Stadt herum. Donizetti reist eine Woche später weiter in die Hafenstadt Civitavecchia, wo ihm eine Gesandtschaft bereits entgegenkommt um ihn feierlich zu begleiten. Am Abend vor seiner Abreise nach Marseille spielt man im dortigen Theater Donizetti zu Ehren seine Oper „Esule di Roma“. Bei seiner Abfahrt am nächsten Tag jubeln ihm Menschenmengen am Hafen zu und Donizetti kehrt triumphierend aus Italien zurück.

Maximilian Hagemeyer

ADELIA 

Premiere am Samstag, 10. März 2018, 19:00 Uhr, Großes Haus
Matinee am Sonntag, 4. März 2018, 11:15 Uhr, Großes Haus
(Eintritt frei)
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