thriller für gruselfans

Am Mittwoch, 9. Februar 2022, feiert der Musicalthriller flammen von Stephen Dolginoff seine deutschsprachige Erstaufführung in der Halle von Rasselmania e. V. in der Hildesheimer Nordstadt.

In flammen geht es um die junge Meredith, die ihren Verlobten Edmond bei einem Bürobrand verloren hat. Nun steht sie mit Eric, einem gemeinsamen Freund, an seinem Grab und trauert. Wie konnte es nur zu diesem tragischen Unfall kommen? War es überhaupt ein Unfall? Oder trachtete jemand Edmond nach dem Leben? Aus welchem Grund? All diesen (und vielen weiteren) Fragen wird im Laufe des neunzigminütigen Abends auf den Zahn gefühlt. Es entspinnen sich diverse Szenarien, die mit der Zeit immer abstruser zu werden scheinen. Für die akustisch dazu passende, mal spannungsgeladene, mal traurige Atmosphäre sorgt Andreas Unsicker am Klavier.

Einen Theaterabend an einem außergewöhnlichen Ort aufzuführen bedeutet auch eine besondere Art der Vorbereitung. Dramaturgin Julia Hoppe hat mit der Projektleiterein Beka Savić und dem musikalischen Leiter der musical_company Andreas Unsicker über die räumlichen und technischen Besonderheiten bei flammen gesprochen:

↗ Wie kam es zu der Entscheidung, flammen nicht bei uns im Großen Haus zu spielen?
Savić: Mehrere Faktoren spielen hier eine Rolle. An erster Stelle geht es um den Wunsch, raus aus dem typischen Theaterraum zu gehen und rein in die Stadt. Das bedeutet ja erstmal, dass durch so eine äußere Veränderung das Theater als Institution auch greifbarer und nahbarer sein kann. Vielleicht wird die ein oder andere Hürde dadurch kleiner. Dann ist natürlich der kreative Aspekt auch wichtig - man wird als Künstler_in herausgefordert mit anderen Mitteln zu arbeiten. So ein Raum ist ja kein leeres Blatt Papier, sondern strahlt direkt eine besondere Atmosphäre aus, die Inspirationen hervorruft. Oder im besten Fall Assoziationen. So etwas wollten wir für diese Produktion.

↗ Wie bist du auf die Außenspielstätte Rasselmania e. V. gekommen?
Savić: Rasselmania ist ja bereits ein etablierter Kulturort, in dem auch Konzerte, Ausstellungen und andere Veranstaltungen stattfinden. Wie so oft passieren solche Entdeckungen dann aber über Gespräche, Empfehlungen und zufällige Bekanntschaften. Und wenn dann alle am gleichen Strang ziehen - nämlich dem Wunsch, den Zuschauer_innen ein besonderes kulturelles Erlebnis anzubieten - ist die Mischung perfekt.

↗ Warum eignet sich dieser Spielort besonders gut für das Musical flammen?
Savić: Der Raum war früher eine Geldschrankfabrik, bringt also nicht den typischen Theaterprunk mit. Sobald man reinkommt ist man in einer anderen Welt, vielleicht einer etwas kühleren, geheimnisvolleren. Der Blick fällt auch nicht »nur« auf eine gestaltete Bühne, das Publikum sitzt stattdessen gemeinsam mit den Darsteller_innen, die die Geschichte erzählen, in einem Raum. Die Zuschauenden sind also noch viel mehr »hautnah« dabei, als es im Theater sowieso der Fall ist. Ein - von der Besetzungsgröße her - intimeres Musical ist dafür prädestiniert, die Atmosphäre des Raums spielt natürlich auch eine Rolle, aber wir wollen nicht zu viel verraten.

↗ Rasselmania ist für uns als tfn ein komplett neuer Raum, der nicht ausschließlich für Theaterproduktionen angelegt ist. Was bedeutet das akustisch für dich als musikalischen Leiter und die Produktion?
Unsicker: Ein Theaterraum hat eine spezielle, genau geplante Akustik. Bei einem anderen Raum müssen wir uns zuerst vor Ort informieren und ein paar Dinge prüfen: Wieweit trägt das akustische Signal, wie breitet es sich aus und wie erreicht es die Zuschauer_innen an ihren unterschiedlichen Positionen. Wenn das klar ist, kann man entscheiden, was man genau benötigt, um das Stück aufzuführen.

flammen ist ein Musical für drei Darsteller_innen und einen Pianisten. Dementsprechend wird es außer einem Klavier keine weiteren Instrumente geben. Wieso müssen sowohl das Instrument als auch die Sänger_innen trotzdem elektronisch verstärkt werden?
Unsicker: Das hat viel mit dem Raum und seiner Akustik zu tun. In einem kleineren Raum - wie z. B. der Studiobühne des tfn - kann man solche Stücke natürlich auch unverstärkt machen. Aber in der Rasselmania-Halle brauchen wir diese Hilfe, damit alle Zuschauer_innen gut hören, nicht nur die, die vorne sitzen.

↗ Wie schaffst du es, mit nur einem Instrument die gesamte Atmosphäre für den Abend zu bestreiten?
Unsicker: Die Musik gibt viel Atmosphäre vor, das Stück ist ja für diese Besetzung geschrieben. Da gibt es Bezüge zu entsprechenden Filmen, in denen etwas Geheimnisvolles angedeutet wird, sich Spannung aufbaut und entlädt. Man kann das mit einem Bild vergleichen, es gibt eine Grundierung, danach werden verschiedene Farben für die Figuren und Situationen hinzugefügt. Ich denke, dass ein Klavier diese Farben sehr gut wiedergeben kann. Die Stummfilme wurden ja oft auch nur mit Klavier begleitet, nicht immer mit einem ganzen Orchester. Natürlich ist die Musik hier moderner, aber das Prinzip funktioniert ähnlich.