drei akkorde, laut und schnell

Interview mit Mitgliedern der tfn-Band von green day’s american idiot

Das Regiekonzept dieses Abends, in einem Wort zusammengefasst, lautet: Rockkonzert. Und was wäre ein Konzert ohne Musik? Dramaturgin Julia Hoppe hat mit Schlagzeuger Kristof Hinz, Bassist Lars Lehmann und den Gitarristen Markus Ottenberg und Ralph König über Green Day und die Besonderheiten des Punk-Rocks gesprochen.

  Wer von euch ist mit Green Day aufgewachsen und wie ist es für euch, die Musik jetzt selbst zu spielen?  Was verbindet ihr mit der Band?
LL: Die großen Hits von Green Day sind seit Jahren fester Bestandteil zahlreicher Top-40- und Coverbands. Da ich in meiner Studentenzeit viel in der Cover-Szene gearbeitet habe, schließt sich hier für mich ein Kreis. Mit der Musik der Band assoziiere ich US-Highschool-Filme und kalifornisches Lebensgefühl: Sonne, Surfbretter, Burger und Cola.

KH: Green Day und vor allem ihr Durchbruchsalbum dookie haben mich auf jeden Fall sehr stark begleitet. Das Album ist 1994 erschienen - mein Abiturjahrgang - und lief auf sämtlichen Partys rauf und runter. Auch die Coolness, mit der Drummer Tré Cool Schlagzeug spielt, hat mich immer beeindruckt und inspiriert. So geht Rock-Drumming!

MO: Ich habe Green Day als Jugendlicher sehr viel gehört und die Musik hat mich unter anderem auch dazu gebracht, mit 16 Jahren das E-Gitarrenspiel zu beginnen. Diese Songs jetzt mit solch tollen Musiker_innen spielen zu können, ist für mich als freiberuflichen Gitarristen natürlich der beste Job, den ich mir vorstellen kann.

↗ Warum muss Punkrock laut sein?
LL: Muss er nicht - aber besser ist es schon!

MO: Punkrock begann irgendwann mal als Auflehnung gegen das bestehende System. Wenn man da zurückhaltend ist, ist das nicht sehr zielführend. Eine gewisse Wut und Aggression gehört zu dieser Musik dazu.

KH: Harte und schnelle Rocknummern kann man meistens gar nicht sehr leise spielen, da sie eben auch einen speziellen Druck brauchen, um zu klingen, und den erreicht man erst aber einem bestimmten Level. Ein Instrument, vor allem das Schlagzeug, klingt anders, je nachdem mit wieviel Power man spielt. Darum bin ich sehr glücklich über meine schalldichte Kabine im Orchestergraben.

↗ Was macht den typischen Punkrock-Song aus?
MO: Drei Akkorde, laut und schnell.

LL: Allem voran fett verzerrte Gitarren und laute Drums. Dazu dann noch ein straighter Plektrum-Bass sowie schnörkellose Vocals eines schnoddrig-abgehangenen Sängers, der vorzugsweise seinem Frust über gesellschaftliche Missstände Luft macht. 

KH (ergänzend): Das Ganze nicht zu korrekt gespielt. Eine gewisse punkige Weltanschauung ist auch nicht unwichtig.

↗ Ralph, du hast dir für diese Produktion extra eine neue Gitarre gekauft. Was steckt dahinter?
RK: Es handelt sich dabei um das Instrument, was Billie Joe Armstrong auch spielt und die Idee, die dahintersteckt, ist eigentlich ganz einfach: Die Gitarre ist total simpel im Aufbau und in ihren Möglichkeiten. Du machst sie laut und sie schreit dich an! Fertig. Genau das, was es für die Green Day Songs braucht. 

green day’s american idiot ist eine sehr energiegeladene Inszenierung – was viel mit der Musik zusammenhängt. Wie anstrengend ist es für euch, zwei Stunden lang dieses hohe Tempo durchzuhalten?
MO: Normalerweise geht das für mich als Gitarrist ganz gut, da ich auch eine Band habe, die dieses Genre spielt und deswegen auch daran gewöhnt bin.

LL: Als Bassist habe ich hier fraglos nicht die schlechteste Karte gezogen. Mit dem Drummer möchte ich hingegen definitiv nicht tauschen, denn der muss richtig arbeiten.

KH: Als ich zum ersten Mal einen Übungsdurchlauf zur CD gemacht habe, um das Stück vorzubereiten, musste ich nach drei Songs das T-Shirt wechseln. Man bereitet sich eigentlich wie auf ein Rockkonzert vor, und muss mit der entsprechenden Einstellung und Energie darangehen. Das finde ich persönlich extrem reizvoll.

↗ Punk-Rock verbindet man gerne mit Anarchie, wovon das Genre Musical weit entfernt ist. Wieso schließen sich die beiden Komponenten trotzdem nicht aus?

MO: Ich denke am Ende ist ja alles Kunst und die darf auch provozieren und eine gewisse Anarchie zeigen. Für ein modernes Musical halte ich das durchaus für angebracht.