virtuoser wahnsinn mit methode

Zwischen zwei Proben des Schauspiel-Solos death & breakfast traf sich Dramaturgin Cornelia Pook mit Schauspieler Gotthard Hauschild und Regisseur Dominik Wilgenbus zum Gespräch.

↗ Worum geht's in death & breakfast?
Dominik Wilgenbus: Eigentlich geht es um die Aufklärung eines komplizierten Mordfalles, in den ganz viele Leute verwickelt sind - eine Parodie auf die Agatha-Christie-Krimis mit Hercule Poirot. Aber worum es tatsächlich geht: In dem Stück werden alle 13 Rollen von einem einzigen Schauspieler gespielt: Gotthard Hauschild. Das macht den Reiz des Abends aus und natürlich die spezielle Komik.

↗ Gotthard, du hast im Kinder- und Jugendtheaterbereich des tfn ja schon einige Solo-Abende bestritten, an denen du alleine viele Rollen verkörpert hast. Jetzt zum ersten Mal auf der großen Bühne. Was ist daran besonders bzw. besonders herausfordernd?
Gotthard Hauschild: Zum einen ist es der größere Umfang: Ein abendfüllendes Stück mit Pause ist natürlich kräftezehrender als ein höchstens 90-minütiges Kinderstück. Und zum anderen finden in death & breakfast die Verwandlungen hinter der Bühne statt, ich lasse die verschiedenen Rollen nicht offen sichtbar für das Publikum auf der Bühne entstehen. Im Gegenteil: Die ganze Zeit wird behauptet, es seien mehrere Figuren gleichzeitig auf der Bühne miteinander im Dialog, aber sie sind nie gleichzeitig zu sehen. Denn die rasant schnellen Kostümwechsel finden hinter der Bühne statt. Deswegen heißt das Stück ja auch folgerichtig im Untertitel: Ein krimödiantischer Wahnsinnsakt für einen Schauspieler und zwei Garderobieren. Weil die Garderobieren bzw. Ankleiderinnen - so die Berufsbezeichnung bei uns am tfn - gemeinsam mit einer Requisiteurin in death & breakfast eine ganz wichtige, große Rolle spielen.

DW: Die Ankleiderinnen und die Requisiteurin müssen die Abläufe im Schlaf können, sie müssen jeden Handgriff wissen. Im Grunde müssen sie das Stück genauso gut verinnerlicht haben wie Gotthard auf der Bühne. Und es geht auch nicht ausschließlich darum, beim Umkleiden behilflich zu sein oder Requisiten anzureichen. Da müssen etliche Dinge gemacht werden, die auf der Bühne sichtbar werden, also auch darstellerisches Gespür erfordern.

GH: Zum Glück war schon nach den ersten Proben mit unseren Kolleginnen aus Ankleide und Requisite klar, dass sie mit großem Spaß dabei sind und die Mitwirkung an death & breakfast auch als besondere und reizvolle Aufgabe empfinden. Ihre Arbeit trägt in großem Maße zum Gelingen des Abends bei!

↗ Dominik, du bist ja eher bekannt als Musiktheaterregisseur, hast am tfn zuletzt der freischütz inszeniert. Was ist anders an der Regiearbeit zu death & breakfast?
DW: Ich könnte jetzt sagen: Es ist ja Musiktheater! Das Stück ist durch und durch musikalisch, es geht um Timing, Rhythmus und um Tempo. Und auch das voneinander Absetzen der verschiedenen Rollen hat etwas mit Musikalität zu tun: verschiedene Tempi, verschiedene Stimmlagen, Klangfarben und so weiter. Ich finde, wenn man so will, dann sind das Elemente, mit denen man auch Musik machen würde. Die Methode, mit der man diesen Wahnsinn erzeugt, ist doch eine sehr handwerkliche und eine sehr virtuos-musikalische - oder um es mal ganz groß gegriffen, hamletmäßig zu sagen: Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode.