oper für die ganze familie

alice im wunderland ist eine Geschichte, die seit Jahren Jung und Alt in ihren Bann zieht. Hier versammeln sich neben dem neugierigen Mädchen die wohl skurrilsten Figuren: eine böse Herzkönigin, ein verrückter Hutmacher, ein sprechendes Kaninchen und viele mehr. Das theater für niedersachsen bringt die Geschichte in der Opernfassung von Pierangelo Valtinoni für die ganze Familie auf die Bühne. Sonja Isabel Reuter, neues Ensemblemitglied, übernimmt die Titelrolle. Vor Probenstart hat Dramaturgin Jannike Schulte mit ihr gesprochen.

↗ Sonja, du bist neues Ensemblemitglied - bist du gut in Hildesheim angekommen?
Ja! Ich mag Hildesheim gerne und fühle mich hier wohl. Es gefällt mir sehr, dass sich die Leute auf der Straße wahrnehmen und anlächeln, die Stimmung in der Stadt kommt mir freundlich und gut gelaunt vor. Auf meinem Weg ins Theater komme ich jeden Morgen über den Marktplatz, und immer wird dort gerade etwas Anderes aufgebaut. Besonders gefällt mir auch der Weg an der Innersten entlang in Richtung Marienburg.

↗ Alice ist nun deine erste Titelpartie hier am Haus - freust du dich?
Ich freue mich riesig auf Alice. Mit der Figur kann ich mich gut identifizieren, die Musik ist ansprechend und interessant. Ich bin gespannt, wie es wird, dem ganzen Stück quasi mein Gesicht zu leihen - so eine exponierte Rolle habe ich bis jetzt noch nicht gestalten dürfen. Ich finde aber, es ist genau das richtige Stück für mich, um das jetzt zum ersten Mal auszuprobieren: Jeder kennt zwar die Geschichte von alice im wunderland, aber die Oper von Pierangelo Valtinoni wird in Deutschland zum ersten Mal gespielt. Dadurch gibt es noch keine klare Vorstellung, wie die Rolle gesungen und gespielt werden soll, wie das bei bekannten Stücken oft der Fall ist. Das gibt mir mehr Freiheit und macht auch den Druck weniger groß, weil ich selbst entwickeln kann, wie ich die Figur darstellen möchte.

↗ Kannst du dich noch an deinen ersten Opernbesuch in deiner Kindheit erinnern?
Mein erster Opernbesuch als Kind war die zauberflöte für Kinder im Papageno-Theater im Frankfurter Palmengarten. Da ging ich noch nicht mal zur Schule. Ich bin als Kind und Jugendliche oft ins Theater und in die Oper gegangen und war schon in meiner Schulzeit von Oper begeistert.

↗ Hast du schon Erfahrung im Familientheater gesammelt? Ist das für dich eine besondere Herausforderung?
Vor allem freue ich mich sehr darauf. Kinder gehen ganz anders ins Theater als Erwachsene, sie sind die ganze Zeit aktiv und gespannt dabei, und die Atmosphäre im Raum ist dadurch eine ganz andere. Ich habe bisher kein Familientheater selbst gespielt, war aber öfter in Vorstellungen von Kinderopern oder Familienstücken. Dabei habe ich erlebt, wie die Kinder richtig mit dem Bühnengeschehen interagieren. Sie warnen und rufen die Darsteller_innen, wenn der Wolf hinter ihnen erscheint oder die Hexe sich anschleicht. Dadurch wird das Stück viel lebendiger und realer.

↗ Wie bereitest du dich auf deine Rollen vor?
Wenn es eine literarische Grundlage gibt, wie bei Alice, dann lese ich zu allererst das Buch. Ich finde es spannend, zu entdecken, wie der oder die Komponist_in mit der Vorlage umgegangen ist, wie nah das Libretto sich daran orientiert. Außerdem bekommt man dadurch wertvolles Hintergrundwissen über die Eigenschaften der Figuren und kann so auch die Musik besser verstehen. Dann lerne ich Text und Töne und entdecke Stück für Stück, welche Farben und Gestaltungsmöglichkeiten sich ergeben. In den Proben kommen die Anregungen der musikalischen Leitung dazu, und auch in den szenischen Proben ergeben sich noch viele gestalterische Möglichkeiten mit der Stimme. Richtig frei fühle ich mich in Partien erst, wenn der Notentext mir ganz selbstverständlich im Körper und in der Stimme liegt und ich das Gefühl habe, die Rolle als Person richtig zu kennen.

↗ Was ist Alice für dich für eine Figur?
Alice ist klug, mutig und vorlaut, und das liebe ich an ihr. Sie stellt aus dem Nichts diese tiefgründig-philosophischen Fragen, die nur Kinder so stellen können. »Bin ich überhaupt noch die Gleiche, als die ich heute Morgen aufgewacht bin?« - das finde ich bezaubernd. Sie geht dabei allen mit ihren altklugen Bemerkungen auf die Nerven, genau wie ich das als Kind getan habe. Gleichzeitig bewegt sie sich geschickt und selbstbewusst durch dieses seltsame Wunderland, über das man sich wirklich nur wundern kann. Dass sie dieser komischen Welt mit Verstand und Überlegtheit begegnet, statt mit Angst, finde ich bewundernswert.

↗ Was kann sie unserem (jungen) Publikum erzählen?
Alice macht eine Erfahrung, in der wir uns alle wiederfinden können: Sie ist von einem Moment auf den anderen die einzige »Normale« in einer völlig verkehrten Welt. Ich möchte unserem jungen Publikum gerne erzählen, dass sich jede_r mal so fühlt. Und dass wir in solchen Situationen auf uns selbst vertrauen können, auf unser Urteil darüber, was sich für uns richtig und falsch anfühlt. Und zwar unabhängig davon, ob irgendein verrückter Hutmacher behauptet, es sei völlig anders. Dieses Selbstvertrauen in einschüchternden Situationen wünsche ich allen großen und kleinen Menschen.

↗ Am So, 27.11., 11.15 Uhr, findet die Matinee im f1 statt. Kostenlose Zählkarten gibt es im service_center. Die Premiere von alice im wunderland ist am Sa, 3.12., 19 Uhr.