herausforderungen, humor und hieroglyphen

Oscar Straus' Operette die perlen der cleopatra feierte vor beinahe 100 Jahren ihre Uraufführung in Wien - jetzt ist sie am tfn zu erleben. Intendant Oliver Graf wird das Stück inszenieren. Noch vor Probenbeginn hat Dramaturgin Jannike Schulte mit ihm gesprochen.

↗ Nach the kraut - ein marlene-dietrich-abend, einem Solomusical, nun die große Operette. Ist das eine besondere Herausforderung für dich?
Das ist absolut eine große Herausforderung: Großes Orchester, Chor, Soli - wie bei Operetten so üblich, ist auf der Bühne einiges los. Und dieses fantastische Werk strotzt vor Klamauk, Szenenwechseln und dem einen oder anderen nicht ganz so stringenten Handlungsstrang ... Das alles zu verdichten, in die heutige Gesellschaft zu übertragen und dem Abend eine größtmögliche Leichtigkeit zu geben ist eine Aufgabe, auf die wir uns im Team schon sehr freuen. Komödie erfordert sehr viel Handwerk und lebt vom Timing, was gleichzeitig den Reiz, aber auch die Herausforderung ausmacht. Das erklärte Ziel ist ganz klar: Wir wollen unser Publikum mit dieser verrückten Geschichte unterhalten, in der Hoffnung, dass es dabei ganz die Zeit vergisst. Wir wollen es in eine andere magische Welt entführen. Und wenn es uns dabei gelingt, dass niemand die ganzen Anstrengungen bemerkt, die dafür nötig sind, und die Inszenierung ganz leicht daherkommt - dann haben wir unser selbstgestecktes Ziel erreicht.

↗ Als Intendant gestaltest du auch den Spielplan. Warum hast du dieses Stück ausgewählt?
Die Entzifferung der Hieroglyphen jährt sich zum 200., die Entdeckung des Grabes Tutanchamuns zum 100. Mal. In Hildesheim haben wir im Roemer- und Pelizaeus-Museum eine der größten ägyptischen Sammlungen Deutschlands - da lag es förmlich auf der Hand, sich diesem Thema auch auf der Bühne zu widmen - und was könnte mehr Spaß machen, als sich dem Sujet mit einem Augenzwinkern und einer Operette zu widmen? Oscar Straus hat dieses Werk zur Zeit der Entdeckung des Grabes Tutanchamuns geschrieben - also der perfekte Zeitpunkt, das Stück hier bei uns auf die Bühne zu bringen. Ich selbst bin ein großer Fan von Operetten und absolut gegen die Trennung von U- und E-Musik - da hat Adorno uns einen Bärendienst erwiesen! - und freue mich umso mehr, dass ich dieses Werk nun hier inszenieren darf. Ich liebe die Operette die fledermaus - aber es gibt noch so unzählig viele andere Operetten und komische Opern, die unbedingt auch gezeigt und gespielt werden müssen - und einen besseren Zeitpunkt kann ich mir für dieses Werk gar nicht vorstellen.

↗ Trifft der Humor der damaligen Zeit noch den Geschmack von heute?
Davon bin ich überzeugt. Das Stück stammt aus den 1920er Jahren und es gibt sehr viele Parallelen zur aktuellen politischen und gesellschaftlichen Situation. Der Witz des Stückes lebt von Zweideutigkeiten - ich bin der festen Überzeugung, dass man die Figuren unbedingt ernst nehmen, das Werk beziehungsweise den Witz und die Charaktere aber überhöhen muss und die Komik sich erst durch die Überzeichnung voll entwickelt. Durch die Distanz der Überhöhung gewinnt der Witz noch einmal deutlich an Kraft. Das Stück benötigt ein unglaublich hohes Tempo, sodass die Zuschauenden in das Stück hineingesogen und wie von allein durch die Handlung hindurchgetragen werden. Das Libretto sprüht vor Klamauk, dem muss man sich stellen und darf hier keine Angst vor lauten Tönen haben - eben in der Überhöhung und der hohen Schlagzahl entsteht ein Spaß, der ironisierend, augenzwinkernd und unglaublich leicht daherkommt.

↗ In welcher Welt, welcher Zeit siedelst du das Stück gemeinsam mit Ausstatter Sebastian Ellrich an?
Wir spielen das Stück in der Zeit der Entstehung - also in den goldenen 1920ern. Wir bewegen uns in einer örtlich losgelösten Situation - mehr sei an dieser Stelle noch nicht verraten! -, in der wir viele glamouröse, glitzernde, queere, pompöse Show-Kostüme erleben. Das Spiel zwischen Burlesque und High-Fashion spielt eine zentrale Rolle - und es kommt eine Menge Glitzer und Gold zum Einsatz. Das Auge wird auf jeden Fall viel zu sehen bekommen - auch spielt ein Auge eine nicht ganz unwichtige Rolle in unserem Konzept - hier sei an dieser Stelle die Ägypten-Ausstellung im RPM genannt ...

↗ Was macht die Musik für dich aus?
Die Musik macht einen Heidenspaß und ist unglaublich vielfältig! Der Sound der 1920er macht sich absolut bemerkbar: Es mischen sich opernhafte Walzermelodien mit Jazzklängen, es gibt Chansons und orientalische Klangassoziationen. Die Musik gibt all das her, was von einer Operette erwartet wird und birgt den ein oder anderen Stilbruch, der den ganz besonderen Reiz ausmacht. Die Musik ist malerisch und schafft das perfekte Ambiente für eine wirklich temporeiche und verrückte Geschichte und zieht absolut in ihren Bann!