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Drei Fragen an Werner Bauer

Worum geht es in COMPANY, was ist der Kern der Geschichte?
Zu Roberts 35. Geburtstag planen seine Freunde eine Überraschungsparty für ihn. Doch dieser verkriecht sich lieber in seiner New Yorker Wohnung und grübelt. Er stellt sich vor, wie ihn seine Freunde feiern und wieder einmal drängen, endlich zu heiraten. Schließlich seien alle seine Freunde bereits lange verheiratet und es sei doch merkwürdig, wenn man mit Mitte 30 noch „single“ sei. Doch Robert ist zufrieden mit seinem Leben. Er hat eine schöne Wohnung, immer wieder Freundinnen und: seine Ruhe.
Und doch kommt in ihm das Gefühl auf, dass seine Freunde vielleicht Recht haben könnten und er etwas verpasse, wenn er sich nicht binde. So geht er in seinen Gedanken alle befreundeten Paare durch um herauszufinden, was der Vorteil einer Partnerschaft ist.
Eine aberwitzige Reise durch verschiedenste Beziehungsgeflechte und Paarkonstellationen beginnt - und löst bei Robert vorerst Verwirrung und Orientierungslosigkeit aus.
Mit viel Humor und Witz werden gängige und weniger bekannte Beziehungsmuster seziert. Subtil beleuchtet und doch scharfsinnig zugespitzt werden Absurditäten des Alltags von Beziehungen dargestellt.

Das Musical wurde 1970 uraufgeführt. Sind die Themen und Beziehungsmuster noch aktuell?
In den 70er Jahren war das Hinterfragen konventioneller Gesellschaftsmodelle und die Suche nach neuen Beziehungsmodellen „en vogue“. Sozusagen eine Reaktion auf die prüden 50er und 60er Jahre.  Doch diese Befreiung hat nicht zwangsläufig zu mehr Glück geführt, sondern die Selbstfindung erheblich schwieriger gemacht.
Ich glaube, dass wir uns heute in einer sehr ähnlichen Situation befinden. Die digitale Welt hat uns eine ungeahnte Vielfalt von Möglichkeiten beschert. Partnersuche und Beziehungsmodelle sind in ihren Möglichkeiten nicht mehr zu überblicken. Alles scheint möglich. Eine Richtschnur, die einen Weg vorgibt, ist kaum mehr auszumachen. Die Vielfalt an Möglichkeiten, die gleichwertig erscheinen, führen zu Verwirrung und Orientierungslosigkeit.
In genau dieser Situation befindet sich unsere Hauptfigur Robert in COMPANY. Er ist zufrieden mit seinem Leben und sieht um sich herum nur Beziehungen, die in irgendeiner Form Kompromisse oder persönliche Einschränkungen bedeuten. Und er stellt sich ein paar sehr offensichtlichen Fragen: Wenn man mit seinem Leben zufrieden ist, was ist dann die Motivation, eine Beziehung einzugehen? Was ist der Mehrwert einer Beziehung? Oder bin ich glücklicher, wenn ich „single“ bleibe und keine Kompromisse eingehen muss?
Das große Verdienst von Sondheim und Furths Theaterstück ist, dass die Themen  Orientierungslosigkeit und Unsicherheit bei Beziehungsfragen sowie bewusste und unbewusste Ängste, die uns leiten, auf eine Weise behandelt werden, die zeitlos erscheint. So kann man durchaus den Eindruck bekommen, dieses Stück sei 2019 geschrieben worden und nicht 1970.

Welche Rolle spielen die Choreografien in der Inszenierung?
Die Choreografien nehmen einen wichtigen Teil der Inszenierung ein. Sie sind essentiell um darzustellen, ob wir Roberts Freunde in seinen Gedanken sehen, oder ob sie tatsächlich real sind. Wir kennen das alle, wenn wir uns an etwas erinnern, dann sind unsere Gedanken eingefärbt von Emotionen. Gedanken und Erinnerungen sind keine Fotografien, sondern kreative, emotionale Verankerungen in unserem Kopf. Das heißt, wir behalten gewisse Eigenschaften, Eindrücke stärker in Erinnerung als andere. Somit verändern wir die Realität. Für die Bühne benutzen wir das Mittel der Choreografie dafür. In Roberts Kopf bewegen sich seine Freunde stilisierter, schemenhafter als in der Realität. Dafür ist eine ausgeklügelte Bewegungschoreografie notwendig und ich bin sehr froh, eine erfahrene und kreative Choreografin wie Annika Dickel dafür an meiner Seite zu haben mit der ich das behutsam entwickeln kann.

Premiere am Samstag, 14. Dezember 2019, 19:00 Uhr, Großes Haus
Soiree am Sonntag, 1. Dezember 2019, 19:00 Uhr, Großes Haus (Eintritt frei)