ein probenbesuch bei the kraut

 

 

Es ist elf Uhr am Mittwochvormittag. Den Corona-Regeln konform darf das theater für niedersachsen nur mit einer Mund-Nasen-Bedeckung betreten werden. Um der Probe zu the kraut beisitzen zu dürfen, muss man sich vorher anmelden, da zurzeit nur eine bestimmte Personenanzahl auf der Probebühne des tfn zulässig ist.

Im Abstand von 1,5 Metern sitzen der Regisseur (Intendant Oliver Graf) und sein Team in einer Reihe und warten gebannt auf den Beginn des Durchlaufs. Nacheinander betreten der Pianist Bernhard Hall (Andreas Unsicker) und der Star des Abends Marlene Dietrich (Silke Dubilier) die Spielfläche. Auch auf der Bühne wird auf den Sicherheitsabstand geachtet: Zwischen dem Klavier und der Hauptdarstellerin steht eine Plexiglasscheibe, die später geschickt ins Bühnenbild integriert sein wird. »Es ist mir eine große Freude mit Silke Dubilier – unserem neuen Ensemblemitglied – diesen so faszinierenden und brüchigen Lebenslauf Marlene Dietrichs für die Bühne umzusetzen«, erzählt Oliver Graf. Und genau darum geht es an dem Abend auch. Im Brustton der Überzeugung erzählt die Dietrich die wildesten Geschichten über ihre Liebhaber_innen, lästert über weibliche Konkurrenz und lässt deutlich durchblicken, was sie von Adolf Hitler und seinem Regime hält. Und immer wieder kehren die Erinnerungen an die guten alten Zeiten zurück … Dabei dürfen natürlich auch ihre großen Showmomente nicht fehlen.

Eine besondere Aufgabe ist es, diesen Abend unter COVID-19-Bedingungen umzusetzen. »Es hat sich aber gezeigt, dass diese Vorgabe uns ein emotional verdichtetes Theatererlebnis beschert, da uns die intensive Komprimierung des Stoffes noch beflügelt hat«, erklärt Graf auf die Frage, wie er mit der speziellen Situation, die zurzeit die ganze Welt beschäftigt, künstlerisch umgeht. Mit oder ohne COVID-19: Mit the kraut ist ein Abend der großen Gefühle garantiert!

Julia Hoppe, Musicaldramaturgin