Interview mit Florian Ziemen und Manuel Schmitt

 

 

Was ist das Besondere an der Oper i briganti?

Florian Ziemen:i briganti ist eine meisterhaft komponierte Belcanto-Oper, mit aller Leidenschaft und Emotionalität, die dazugehört, die es verdient, wieder gehört und gesehen zu werden. Und interessant ist natürlich auch der Umgang innerhalb dieses Opernstils mit dem deutschen »Räuber«-Stoff – es treffen zwei Welten aufeinander.

Wie konntet ihr ein so großes Werk in Corona-Zeiten umsetzen?

Florian Ziemen: Das war natürlich die größte Herausforderung und wir habe viele Monate – in denen sich ja auch Regeln und Aussichten ständig verändert haben – damit zugebracht, viele Möglichkeiten durchzudenken und natürlich auch die Beschränkungen künstlerisch fruchtbar zu machen. Am besten das Ergebnis einfach selbst anschauen – trotz des Ausnahmezustands ist wahnsinnig viel geboten!

Was ist deine Lieblingsstelle in dieser Oper?

Florian Ziemen: Amelias Arie aus dem letzten Akt ist ein anrührendes, brillantes und perfekt gebautes Stück, das liebe ich besonders. Aber auch der ganze zweite Akt, der Räuber-Akt, ist mit Sturmszene und Orgie extrem mitreißend.

Ist es eine besondere Herausforderung eine Rarität zu inszenieren?

Manuel Schmitt: Ich inszeniere gerne seltenere Werke, da diese in der Regel noch frei von Erwartungen sind. Vermutlich hat kaum jemand vorher diese Oper gehört oder auf der Bühne gesehen. Alle sind neugierig und gespannt auf das Stück selbst und bilden sich während der Aufführung eine erste Meinung dazu. Das Stück ist noch wie ein unbeschriebenes Blatt Papier und man kann neu ansetzen. Die Qualitäten und auch Schwächen des Werkes sind noch nicht so - im wahrsten Sinne des Wortes - erprobt. Diese Reise gemeinsam mit allen Beteiligten zu machen, finde ich aufregend.

Was interessiert dich besonders an dem Schiller-Stoff?

Manuel Schmitt: Mich interessiert besonders der Sturm, der von diesem Schauspiel ausgegangen ist. Eine junge Generation im Aufbruch; der Autor, genau wie seine Figuren. Ein junger Friedrich Schiller, der den Drang hat, mit seinen Stücken die Welt zu verändern. Der unbedingt an die Kraft und die Notwendigkeit des Theaters glaubt. All diese Ideen der Veränderung der Wirklichkeit durch Spiel, durch Theater ziehen sich durch alle Stücke Schillers. Einige seiner Stücke wurden früher auch als Sprechopern bezeichnet. Eine Gattung, die es heute gar nicht mehr gibt. Aber das zeigt, wie sehr Schiller, der immer die ganz großen Themen angeht, für die Opernbühne geeignet ist, wie unbedingt er dort hingehört.

Was können die Zuschauer_innen auf der Bühne erwarten?


Manuel Schmitt: Wir beginnen sehr reduziert. Die Figuren haben ihren sicheren Boden verloren und sich verirrt in einem Wald von Lügen, Intrigen und Missverständnissen. Wir haben dazu allen überflüssigen Pomp weggelassen und uns ganz auf die Psychologie der Figuren, ihre Einsamkeit und ihre Verlorenheit konzentriert. Innere Stimmen treiben sie um und Amelia geht auf die Suche nach dem für tot erklärten Ermano. Doch dann tauchen wir gemeinsam mit Ermano, dem Räuberhauptmann, ein in die Gedankenwelt von Friedrich Schiller und seine Dramen. Schiller möchte mit seinen Dramen durch das Theater die Welt verändern. Seine Figuren kämpfen in dieser zerstörten Welt für Moral, Gerechtigkeit und Wahrheit.