Die räuber-Trilogie – Ein Theaterstoff, drei Genres, ein Bühnenbild

Ein Gespräch mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Belén Montoliú

 

 

Mit der  Räuber-Trilogie eröffnet das tfn die Spielzeit 20_21. Der neue Intendant Oliver Graf erläutert, wie es zu diesem Konzept kam: »Ich bin ein großer Anhänger von spartenübergeifendem Arbeiten. Bei uns als Landesbühne ist es allerdings logistisch nicht so einfach, unsere Künstler_innen spartenübergreifend zu besetzen, da wir oft mehrere Vorstellungen parallel spielen – zum Beispiel eine Oper in Hildesheim und ein Schauspiel unterwegs. Diese Flexibilität in der Planung wäre nicht mehr gegeben, wenn Schauspieler_innen in der Oper oder Sänger_innen im Schauspiel besetzt wären. Da ich aber diese Art der Arbeit unglaublich inspirierend finde, habe ich die Grundidee einfach von der darstellenden Seite auf das Kreativ-Team übertragen. Und so entwickelte sich dann die Idee einer Trilogie: ein Stoff, drei Genres, drei Regisseur_innen bzw. Choreograph_innen – und alle Inszenierungen in demselben Bühnenbild.« Als Teil aller drei Kreativ-Teams entwarf Ausstatterin Belén Montoliú also ein Bühnenbild für alle drei Produktionen – und zusätzlich drei verschiedene Kostümbilder. Cornelia Pook hat sie zum Gespräch getroffen.

Worin lag die spezielle Herausforderung deiner Arbeit im Rahmen dieser Trilogie?

Meine Aufgabe bestand darin, einen Raum zu kreieren, der den unterschiedlichen Bedürfnissen der Inszenierungen gerecht wird. Die Spielweisen bzw. die Arten, eine Spielfläche zu nutzen, sind in den drei Genres sehr unterschiedlich. Ich musste mir also überlegen, was für die verschiedenen Künstler_innen wichtig ist, zum Beispiel in puncto Akustik und Bewegungsfreiheit. Außerdem soll der Raum natürlich die dramaturgische Entwicklung des Stückes unterstützen und entsprechend veränderbar sein, nicht statisch.

Wie bist du dann auf die Idee deines Bühnenbildes gekommen?

Es gibt in dem Stück die räuber zwei klare Orte: Das Schloss der Familie Moor und die Böhmischen Wälder. Beide Orte sollten über mein Bühnenbild erzählt werden können. Zusätzlich inspiriert haben mich die medialen Bilder über die Proteste im Hambacher Forst mit den Baumhäusern der Demonstrant_innen. Das hat mich zu der Idee einer Art Baumhaus gebracht, wobei der Schlüssel meines Entwurfs in der Abstraktion liegt. Entstanden sind vier große turmartige Bühnenbildelemente; abstrakte Strukturen, die mobil sind und so je nach Position und Ausrichtung, auch zusammen mit der Lichtregie, im Laufe des Theaterabends immer neue Spielorte eröffnen. Zusätzlich gibt es, wie immer am tfn, davon eine kleinere Variante für einige Gastspielorte. Da bei den Tanz-Proben mit dem kleinen Bühnenbild das Drehen der Elemente Teil der Choreographie wurde, fiel die Entscheidung, dass bei den Räuber-Tanzabenden – auch in Hildesheim im Großen Haus – immer die kleine Bühnenbildvariante bespielt wird. So hat das Hildesheimer Publikum die Chance, beide Entwürfe des Bühnenbildes zu sehen. Grundsätzlich gilt für die kleinen und die großen Türme: Man kann sie drehen, hinaufklettern, durchlaufen, sich daran hängen – die Möglichkeiten damit sind mannigfaltig.

Im Gegensatz zum Bühnenbild ist das Kostümbild bei Oper, Schauspiel und Tanz sehr unterschiedlich…

Ja, wie auch die Inszenierungen sehr unterschiedlich sind. Man könnte meinen, es wären drei verschiedene Kostümbildner_innen gewesen (lacht)…

Während Proben zu i briganti dachte ich einmal, Schiller persönlich käme mir auf dem Gang entgegen. Sind die Kostüme in der Oper historisch?

Ja, aber nicht ausschließlich. Für die Oper i briganti wollten wir unterschiedliche Ebenen. Es gibt einmal die Hofgesellschaft des Schlosses – also Corrado, Massimiliano, Amelia – die eine, ich nenne es mal, opernhaft elegante Moderne ausstrahlen sollen und zum anderen Ermano und sein Freund Rollero in Streetwear. Dazu haben wir noch historische Kostüme des 18. Jahrhunderts für den Herrenchor als Räuberbande und – du hast richtig gesehen – auch Friedrich Schiller selbst.

Im Schauspiel wird es bunt, oder?

Ja, kann man sagen. Die Kostüme wuchsen im Schauspiel mit dem Probenprozess. So wie sich die Figuren im Laufe des Stückes entwickeln, entwickeln sich auch die Kostüme. Es gibt auch im Schauspiel zwei Kostümgruppen: Eine eigenartige Hofgesellschaft und die Räuberbande. Die Räuberbande besteht aus Stereotypen vom Rande der Gesellschaft – und als Gesamtbild ist sie bunt, das stimmt. Wir sind sehr spielerisch mit den Kostümen umgegangen, auch mit der Verwendung des in Coronazeiten obligatorischen Mund-Nasen-Schutzes. Die Räuber tragen Masken. Die Kostüme der Hofgesellschaft haben große extravagante Kragen – der Mundschutz wird zum modischen Detail.

Die Kostüme im Tanz wirken hingegen eher puristisch…

Ja, im Tanz sollten die Emotionen im Vordergrund stehen. Für die Kostüme habe ich mich von modernen Fechtanzügen inspirieren lassen – welche der historischen Silhouette ähneln und den kämpferischen Charakter der Figuren unterstreichen. Dabei bin ich insgesamt puristisch mit Stoffen und Farben umgegangen. Der Fokus soll auf dem Tanz liegen, welcher die Gefühle transportiert. Das ist es auch, was mich persönlich am meisten an die räuber fasziniert: die extremen Emotionen, die dieses Drama in sich trägt und den Figuren einen großen Entfaltungsraum gibt.