Monolog von Lot Vekemans
aus dem Niederländischen von Eva M. Pieper und Christine Bais

Judas – sein Name steht für Verrat, sein Kuss veränderte die Welt. Die Liste an Spekulationen und Interpretationen über den Jünger, der Jesus verriet, ist lang. Deshalb ist es jetzt, nach 2.000 Jahren, an der Zeit: Judas tritt aus dem jahrhundertelangen Schatten der Verachtung ins Rampenlicht und nimmt uns mit auf seine Seite der Geschichte: seine Motive, sein Leiden, sein Leben. Es ist keine Rechtfertigung, keine Entschuldigung, sondern vielmehr der Versuch, seine Tat wieder auf ein menschliches Maß zurück zu bringen und sein Publikum dahin zu führen, wo es lieber nicht hin möchte: zu dem Judas in sich selbst.

Mit ihrem berührenden, klugen und spannenden Monolog gibt die niederländische Autorin Lot Vekemans, die in Deutschland auch bekannt ist durch ihr Stück »Gift. Eine Ehegeschichte«, Judas erstmals ein Gesicht und eine eigene Geschichte. Und sie lässt ihn Fragen stellen. Zum Beispiel: »Was wäre gewesen, wenn ich in Gethsemane bei Jesus geblieben wäre? Was wäre aus ihm geworden? Und was wäre aus mir geworden. Und vor allem: Was wäre aus uns allen und dem Christentum geworden?« Judas wurde 2007 in Haarlem/Niederlande uraufgeführt. Nach der deutschen Erstaufführung 2012 an den Münchner Kammerspielen steht das Stück immer wieder auf den Spielplänen zahlreicher deutschsprachiger Bühnen und wird von Publikum und Presse gefeiert. Am tfn spielt Martin Schwartengräber Judas, in der Regie von Ayla Yeginer. Der Ort der Aufführungen in Hildesheim ist ein besonderer: die ev.-luth. Zwölf-Apostel-Kirche im Stadtteil Moritzberg, ein ästhetisch und atmosphärisch beeindruckender Sakralbau aus den 1960er Jahren.

Mit Martin Schwartengräber