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„Mehr Empathie bitte!“

Martin Schwartengräber über seine Rolle „Nathan der Weise“

NATHAN DER WEISE von Gotthold Ephraim Lessing, veröffentlicht 1779, gilt als DAS Stück der deutschen Aufklärung. Mit Themen wie Toleranz als oberstes Diktum, Wahrheitssuche im Dialog, Kampf um die Würde des Menschen und dem Wunsch eines gleichberechtigten und vorurteilsfreien Nebeneinanders der Religionen erscheint es heute aktuell wie nie. Martin Schwartengräber spielt am TfN die Rolle des Nathan. Für ihn ist das, was den Nathan besonders und zu einem Vorbild macht, eben nicht „nur“ seine überall gepriesene Weisheit, sein Verstand und seine Umsicht: „Ein Teil des Stückes ist für mich mindestens genauso wichtig wie die Ringparabel. Nämlich Nathans Erzählung, wie er zu seiner Tochter Recha gekommen ist. Er nahm sich liebevoll des Christen-Mädchens an, obwohl kurz zuvor seine Frau und seine sieben Söhne bei einer Judenverfolgung durch die Christen verbrennen mussten. Darin, wie auch im ganzen Stück immer wieder, spürt man Nathans große Fähigkeit zur Empathie“. Das ist es, was für Schwartengräber eigentlich den aufgeklärten Menschen ausmacht: „Wenn wir ehrlich sind, müssen wir doch zugeben, dass die Aufklärung gescheitert (oder noch immer im Werden) ist. Die Menschen, die auch heute noch Kriege anzetteln oder in Kauf nehmen, die zulassen, dass unsere Umwelt zerstört wird, die immer weniger Geld für Bildung und Kultur bewilligen, sind ja alles hochgebildete, aufgeklärte Menschen. Aber etwas fehlt! Und das ist, glaube ich, Empathie. Nur die Kombination aus Verstand und Herz scheint mir da etwas bewegen zu können. Zu dem Thema kann ich die Bücher von Arno Gruen nur empfehlen, dem es unter anderem in seinem Werk „Dem Leben entfremdet“ (2013) darum geht, „das empathische Bewusstsein wieder zum Herzstück unseres Seins zu machen“.

Martin Schwartengräber kennt das Stück NATHAN DER WEISE sehr gut, es ist die dritte Nathan-Inszenierung, an der er mitwirkt. An anderen Theaters hat er bereits den Sultan Saladin gespielt und den Derwisch Al-Hafi. Seine letzte Rolle am TfN, der eitle und selbstherrliche Theaterdirektor Harro Hassenreuter in Hauptmanns „Die Ratten“ steht im krassen Gegensatz zum Nathan, so Schwartengräber: „Der Nathan ist eine tragende große Rolle, die gleichzeitig eine sehr stille, ruhige Figur ist. Das empfinde ich als große Herausforderung.“